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FutureMovies-Interview mit Lena Headey (2005)

Lena Headey spielt Angelika in Brothers Grimm. Mit Sätzen wie "Zeig' uns den Weg, Großmutter Kröte, und ich gebe Dir einen Kuss" hat sie mit Sicherheit eine denkwürdige Rolle.

Wir sind alle mit diesen Märchen aufgewachsen. Was klingt bei Ihnen nach all den Jahren noch von diesen Geschichten nach?

Ich glaube einfach, dass sich daraus eine Jugend der Vorstellungskraft entwickelte. Man wird offensichtlich mit Vorstellungskraft geboren, aber sie lässt sich leicht wegsperren. Wenn ich einen unheimlichen Film anschaue oder ein beängstigendes Buch lese, dann ist es bei mir dagegen so, dass meine Einbildung so ausschweifend ist, dass ich mich fast zu Töde ängstige, wenn die Lichter wieder angehen. (lacht)

Gab es eine Erzählung, die Sie mehr als die anderen bewegt hat?

Das war bei mir Rumpelstilzchen. Ich mochte es, weil der Kerl diese langen, spitzen Füße hatte und beim Auf- und Abspringen ziemlich gruselig klang. Wenn die Dinge nicht nach seinem Willen geschahen, sprang er herum und seine Füße durchbrachen den Boden. Derartige Bildersprache habe ich geliebt.

Viele Schauspieler genießen es in historischen Filmen mitzuspielen, weil sie dabei einige eindrucksvolle Kostüme tragen dürfen. Das trifft auf Sie weniger zu.

Das war Monicas Abteilung in diesem Film. (lacht)

Ihre Figur ist eine Trapperin und wenn man Sie zum ersten Mal von hinten sieht, könnte man fast meinen, Sie wären ein Mann. Wie haben Sie sie erschaffen und zu dieser einzigartigen Frau dieser Zeit gemacht?

Ich liebte die Tatsache, dass sie ein Wildfang war. Was mich an ihr gereizt hat war, dass sie nicht diese vorhersehbare weibliche Figur in diesem großen Film war. Man begegnet ihr und sie verbirgt, wer sie wirklich ist. Mir gefiel es, dass ihre Umgebung bestimmte wer sie ist. Sie wächst im Wald auf und lebt und überlebt dort. Terry und ich unterhielten uns darüber, wie ihre Instikte fast schon animalisch sind und wie sie 360 Grad um sich herum schauen. Sie ist über alles, was passiert, im Bilde. Sie ist mit der Erde verbunden.

Mussten Sie in ein Ausbildungslager machen um all diese besonderen Eigenschaften zu lernen, die sie im Film besitzt?

Ich nahm Unterricht im Bogenschießen und Reitstunden. Ich habe auch mit dem selben Mann gearbeitet, der die Akzente für Alexander erarbeitet hat, um mir den richtigen Dialekt für den Film zu verschaffen. Zuerst gaben wir Angelika einen irischen Tonfall, aber diese Idee haben wir wieder fallen gelassen. Wir haben uns viel damit beschäftigt, wie die Wahrnehmung von Tieren funktioniert. Da sie nachtaktive Wesen sind, erschließt ihr Sehsinn diese weite Perspektive. Es war ziemlich interessant das zu lernen. Wenn man mit jemandem redet, schaut man sie direkt an und gibt ihnen seine ganze Macht. In der Tierwelt nimmt man jedoch alles auf und alles, was man wahrnimmt, gehört einem. Während man also jemanden anschaut, nimmt also auch die Position des Gegenübers und alles andere ein. Man kann Leute wirklich verrückt machen, wenn man das macht.

Sind Sie schon mal auf einem Pferd geritten, bevor Sie diesen Film gedreht haben?

Vor langer Zeit wurde ich von einem Pferd abgeworfen und durch den Wald gezerrt.

Mussten Sie also diese Angst überwinden?

Das hatte ich bereits getan. Als es passierte, bin ich einfach wieder aufgestiegen. Wenn ich das nicht getan hätte, wäre die Angst wohl geblieben.

Wie gut haben sich Ihre Bogenschießkünste entwickelt?

Zuerst war ich ziemlich schlecht. Es sieht auf den ersten Blick einfach aus, weil es so anmutig wirkt. Man zieht einfach die Sehne zurück und schießt. Aber es ist wirklich schwer. Es dreht sich alles um den Rücken. Ich habe es aber geliebt.

Haben Sie es für nötig erachtet, sich in körperlicher Hinsicht anders auf diese Rolle vorzubereiten?

Eigentlich nicht. Hätte ich mehr Zeit zur Vorbereitung gehabt, dann vielleicht. Aber ich wurde eher spät verpflichtet und bin dann direkt in die Rolle geschlüpft.

Terry meinte, er hätte tatsächlich von Ihnen verlangt, einem Hasen das Fell abzuziehen. Allerdings ahnte er nicht, dass Sie Vegetarierin sind.

Ja (lacht). Ich meinte, ich würde es nicht machen. Ich wusste jedoch, dass ich es tun sollte, weil Terry fand, es wäre wichtig für die Figur. Ich traf mich mit den Jungs, die es gemacht hatten. Sie hatten diesen Hasen dort mit aufgeschlitzter Kehle hängen. Er war weiß und wirklich groß. Sie gaben mir ein Messer und meinten, man müsse einfach reinstechen und schneiden. Ich brachte es nicht fertig. Ich bin ziemlich furchtlos, aber ich konnte das Messer nicht in diesen Körper bohren. Ich ging zurück zu Terry und der fragte, warum ich es noch nicht gemacht hätte. Ich bat ihn mitzukommen und es selbst zu machen. Er sagte okay, aber als wir dort waren, brachte er es ebenso wenig fertig (lacht).

Was haben Sie dann im Film letztlich gemacht?

Es ist Latex. Ich erklärte den Effektleuten, dass wenn sie einen Wolf zum Fliegen bringen können, sie auch einen künstlichen Hasen erschaffen können.

Terry erwähnte, dass Sie, nachdem Sie gecastet waren, etwas zu hübsch für die Rolle waren und dass sie Sie etwas schmutziger machen mussten. Ich bin mir sicher, dass ein Schauspieler sich über eine solche Herrausforderung freut, aber spielt Eitelkeit dabei nicht auch eine Rolle? Immerhin sieht Sie das Publikum so.

Überhaupt nicht. Das kann ich offen sagen. Es ist aufregend in der Lage zu sein, sein Aussehen vollständig zu verändern. Ich habe gerade einen Kurzfilm mit Freunden in New York gemacht und das abgefahrenste Zeug gespielt, dass ich je gemacht habe. Ich liebte es. Ich ein sonderbares Wesen, das im Motel lebt und die allerbizarrste Kleidung trägt, die man sich nur vorstellen kann. Es war toll.

Ich habe etwas nachgeforscht, welche Figuren Sie bislang gespielt haben. Da gibt es eine lesbische Prostituierte, eine jungfräuliche Heldin, eine idealistische Freundin, ein Hausmädchen und ein frühreifes Schulmädchen. Sie haben das ganze Spektrum an eklektischen Rollen durchgemacht. Manche Schauspieler müssen das Publikum mit immer wieder ähnlichen Charakteren bestätigen, aber Sie scheinen überall aktiv zu sein.

Kürzlich meinte jemand zu mir, ich würde immer den gleichen Charaktertyp darstellen. Er meinte, ich würde immer die zänkische Frau spielen. Ich konnte mich dem nicht anschließen. Ich bin mir der Sache sehr bewusst, weil ich nicht auf einen bestimmten Rollentyp festgelegt werden will. Ich will wirklich verschiedene Charaktere spielen. Ja, es gab ein paar ähnlichen Figuren, weil ich weiblich bin und die Rollen, die man mit Mitte 20 bekommt, sich bisweilen ähneln. Ich versuche das aber zu vermeiden, weil ich es wesentlich interessanter finde, unterschiedliche Rollentypen darzustellen.

Wie sind Sie ins Schauspielgeschäft gekommen?

Ich war 17, als ich meinen ersten Job bekam. Ich hatte keine Schauspielschule besucht. Ich hatte Glück und bin einfach reingerutscht. Ich wurde zu einem Vorsprechen eingeladen als ich 17 war und habe es gemacht.

Warum haben sie Sie eingeladen?

Sie hatten ein Foto von mir gesehen. Ich bin mit einem Bühnenstück, das wir an meiner Schule eingeprobt hatten, nach London gegangen, wo sie ein Foto machten. Aufgrund dessen wurde ich zum Vorsprechen eingeladen und dort bekam ich dann die Rolle.

Es gibt nicht viele Frauen in diesem Film und Ihr Co-Star Monica Bellucci war tatsächlich an einem anderen Drehort, um ihre ganzen Spezialeffekte-Sachen zu machen. Wie war es also mit Ihnen und den Jungs?

Es war eine sehr männliche Atmosphäre. Manchmal wunderte ich mich nur, wo das weibliche Gegenstück war. Dann hing ich bei den Make-Up Mädels rum.

Hoben sich die Männer von Ihnen ab oder behandelten sie Sie wie eine von ihnen.

Eigentlich nicht. Ich glaube nicht, dass sie es bemerkt haben. Wenn man alle jene "boy boys" am Set hat, könnte man nackt hineinrennen und ich bin mir nicht sicher, ob sie es überhaupt bemerken würden

Vertrauen Sie mir, Männer bemerken das. Ein Blick auf die Umgebung, in der Sie gefilmt haben, und es scheint, als hätte das Make-Up Sie nicht zu oft mit Staub und Schlamm versehen müssen. Sie konnten sich einfach am Set herumwälzen. Mögen Sie es in all das einzutauchen?

Ja, seit ich ein Kind war. Wenn man sich selbst in den Elementen verlieren kann, macht das einen einfach glücklich. Man kann Freude haben in den Elementen. Bringt mich ans Meer und ich kann mich in genauso diesem Element verlieren.

Lassen Sie uns Sie jetzt zu dem Element eines Terry Gilliam-Set bringen, an dem es Bäume gibt, die sich bewegen und Weinreben, die auftauchen und einen umklammern. Gab es einen vollkommenen Moment für Sie, der wirklich die Tatsache wiedergab, dass Sie in dieser fantastischen Welt waren?

Es gab tatsächlich ruhige Momente, in denen ich einfach auf dem riesigen und wunderschönen Set saß. Ich ging in eine Ecke und sammelte meine Momente und es traf mich einfach, wo ich war. Beispielsweise die Effekte - man bemerkt eigentlich nicht allzu viel, weil man darin ist. Es gab eine Sequenz, die wir drehten, die tatsächlich nicht mehr im Film ist. Wir hatten diese Blue Screen-Aufnahme, in der wir an einem Gurt befestigt waren, 25 Meter in die Höhe gerissen und herumgeschwungen wurden. Es war kein vollkommener Gilliam-Moment, aber ich fragte mich "Was machst du da?!" (lacht).

Was machten sie um Ihnen bei der Szene mit dem Wolf zu helfen? Offensichtlich wurde er nachträglich mit Computertechnik hinzugefügt. Aber gaben sie Ihnen einen Bezugspunkt?

Am Ende war es das. Ich glaube, es war erst ein Tennisball und dann ist Terry hinausgerannt und holte seinen Prototypen des Wolfskopfes und steckte ihn auf einen Stock. Er stand nur einfach mir und knurrte und bewegte den Kopf hoch und runter, während ich die Zeilen sagte. Es war lustig. Es hatten jedoch alle in diesem Ausmaß mit Computereffekten zu tun. Es war allgegenwärtig für uns.

Wie ist Ihre eigene Beziehung zu Magie und Übernatürlichem?

Ich glaube, es existiert. Es ist ein endloses Gesprächsthema der Menschen. Ich glaube an Übernatürliches, nur weil ich, seit ich jung war, Erfahrungen mit einem Geist hatte. Ich habe zu viel Zeug gesehen, um zu denken, dass ich verrückt bin oder es ein Zufall war.

Was passierte?

Ich sah einen Geist im Haus. Ich fuhr mit einer Freundin nach Frankreich in Urlaub und wir beide sahen den selben Geist in unseren Zimmern an unterschiedlichen Nächten. Wir sahen dieses junge Mädchen, das um Hilfe fragte. In dem Dorf, aus dem ich komme, sah ich eine Frau, die in eine Wand hineinlief. Ich war in Nantucket und dort war eine Frau und ihr Baby in meinem Zimmer.

Sie scheinen sie herauszulocken.

Ich weiß (lacht). Ich lebte in einem Haus in London, das über 2 Jahre lang definitiv einen kleinen Jungen in sich barg.

Wie in dem Film, haben Sie je nach einer Erklärung gesucht.

Ich glaube einfach, dass, wie manche Menschen sagten, Geister einfach anerkannt werden wollen und dass das der Grund ist, warum sie da sind. Sie brauchen jemanden, der mit ihnen spricht. Wie bei einem Schauspieler, der für eine Weile nicht gearbeitet hat (lacht). Deswegen rede ich einfach mit ihnen und bitte sie mit dem Stehlen aufzuhören. Der kleine Junge nahm gewöhnlich meinen Schmuck aus meinem Haus mit und brachte ihn dann wieder. Es war schelmischer als alles anderen.

War Matt oder Heath schelmischer?

Ich würde sagen, Heath war ein wenig schelmischer mit seiner frenetischen Energie. Sie hatten ihr Kleine Jungen-Spielzeug, deswegen ließ ich sie allein.

An einem Punkt im Film konnten Sie es nicht. Sie mussten beide küssen.

Das tat ich. Es war ein harter Tag am Set. Ich küsste eine Kröte und ab da ging alles bergab. Es ist einfach ein Teil der Arbeit. Ich weiß, dass sie großartige Kerle sind, aber ich war nicht im geringsten aufgeregt. Es war einfach, was ich zu tun hatte. Neben der Tatsache, dass ich denke, dass Angelika möglicherweise lesbisch ist.

Ich vergaß, dass Sie den Frosch küssen mussten.

Ich leckte am Frosch.

War der auch aus Latex?

Nein. Es war eine richtige Kröte.

Also leckten Sie und Matt tatsächlich eine wirkliche Kröte. Da Sie eine der wenigen Menschen sind, die ich je getroffen habe, die das getan haben, wie schmeckt das? Hühnchen?

Es schmeckt eigentlich nicht. Es ist eher Struktur. Es ist klumpig. Es ist, wie eine faltige Hand zu lecken.

Gab es spezielle Kröten, die sie reinbringen mussten?

Ich denke schon. Manche sind giftig und ihre Sekrete sind giftig. Unseren mussten sie sie abwischen. Ich weiß nicht, was aus ihnen herauskommt - Krötenschweiß?

Haben Sie geübt?

Ich sagte immer: "Komm schon, Terry". Und er entgegnete "Leck an ihr." Es war lustig es einmal getan zu haben. Es stieß Leute ab, dass ich es einmal getan habe. Es war okay und dann mochte ich es Leute abzustoßen (lacht).

Sie sind auf Bermuda aufgewachsen. Wie war Ihr Lebensstil dort?

Ich erinnere mich nicht wirklich daran, da ich so jung war. Ich glaube, es gab mir meine Liebe zum Meer. Ich wurde hineingeworfen vom Moment meiner Geburt an. Ich rannte ohne Kleider und Schuhe herum und spielte im Wasser. Und dann, als ich 5 Jahre alt war, zogen wir nach England.

Gibt es noch jemand anderen in Ihrer Familie, der in der Unterhaltungsbranche ist?

Nein, ich bin das schwarze Schaf (lacht). Bekomme einen anständigen Beruf. Menschen kommen und gehen und tun, was sie tun, in meiner Familie. Es gibt die verschiedensten Sorten.

Können Sie über Prag reden? Was gab es Ihnen?

Prag ist eine wunderschöne Stadt und ich hatte ein tolles Apartment dort. Es ist fast wie ein Märchen in sich selbst. Es gibt dort all diese großen Uhren und sie schlagen jede Stunde. Prag ist sehr zugänglich und hat jetzt all das Geld, so dass es nun fast wie die osteuropäische Ausgabe eines kleinen Hollywoods ist.

Der Film wurde eine lange Zeit gedreht. Wie wechseln die Stimmungen auf einem Set wie diesem? Das Wetter kann ebenso ein Faktor sein. Hat Sie das gestört?

Wir waren die meiste Zeit drinnen. Wir hatten viel Glück mit dem Wetter. Vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber wir hatten wirklich gute Tage. Unser Wald war ein Set, deshalb war unsere Umgebung kontrolliert. Wir lebten drei Monate lang darin und kamen jeden Tag mit schwarzen Nasenlöchern heraus (lacht).

Originalinterview © FutureMovies, alles andere © 2006 LenaHeadey.de-Team | Letzte Aktualisierung am 18. September 2006